Hinter uns das Tal des Flusses Pescara, uns gegenüber der Berg Majella – das würdevolle Indianergesicht, das uns zwischen den Hügeln nach Roccamorice führt und immer neue Seiten seiner Erhabenheit zeigt. Es wird immer näher: Wir sind dabei anzukommen.Wir überschreiten St. Valentino: Vor uns ragen unsere Berge in den Himmel. Die Landschaft verändert sich ständig. Roccamorice ist noch nicht zu sehen. Dann die letzte Kurve: Wir sind in einer unbeschreiblichen Landschaft umfangen; der Canyon rundherum erschüttert uns. Versteckt zwischen den Bergen, wie ein altes mittleralterliches Schloss, ist das auf einer Felsenspitze gebaute Dorf. Rundherum wird es von schwindelerregenden Schluchten geschützt. Ein unbewegliches, stilles Dorf mit seinen kleinen Steinhäusern, das von seiner Naturgabe nicht bewusst zu sein scheint.Von Roccamorice fahren wir weiter zu unserem Bauernhof und legen den Weg, der zu die Einsiedelei Celestines führt, zurück. Vor uns erscheint die Parklandschaft. Wir sind gerade auf der sanftesten Seite der Majella und können die Landschaft bis zu den Berggipfeln bewundern. Hier kommt es nicht selten vor, einige Wildschweine oder Hirsche zu treffen und man braucht auch kein großes Glück, den Flug der Bussarde bewundern zu können, die uns zu unserem Bauernhof „Tholos“ begleiten. Denn nicht weit von uns ragt ein Kliff, das als ungestörter Unterschlupf für Raubvogelhorste gilt. Wir sind angekommen und das große Tholosgrab heißt uns Willkommen: Es ist aus Weißstein, großzügiger und unerschöpflicher Gabe unseres Berges, gebaut. Auch unsere Häuser sind mit Steinen des Berges gebaut worden: Dieser Berg ist unsere Mutter.Man erzählt, dass die indische Göttin Maya mit ihrem sterbenden Sohn hierher kam, denn nur hier wuchs die heilige und duftende Pflanze, die sein Leben retten konnte. Aber leider war der Berg schneebedeckt, die Pflanze war noch nicht gesprossen und der Sohn der Göttin starb. Seitdem blieb Maya bei uns und, wenn der Wind weht und man dabei eine Klage hört, die zwischen den Bergen erklinget, sagt man, dass diese Klage das Echo des Weinen der Göttin ist.Einmal hat man gesagt, dass die Majella das italienische Tibet sei. Eines ist sicher, dass sie von jeher der heilige Berg der Abruzzen ist. Schon in der Vorgeschichte waren die hier aufgefundenen Siedlungen (wie die Einsiedelei von St. Bartolomeo) Kultstätte. Die Majella: Der Mutterberg, der heilige Berg, ein seit dem Paläolithikum bewohnter Berg, der uns den Mayamythos glauben lässt und den größten Teil der Kultstätten Italiens aufnimmt.I used to live forty-five minutes from Roccamorice but I had never been there!